„Was sind die Voraussetzungen für das Projekt? Welche Aspekte haben Einfluss auf die Planung und inwieweit wird der Schutz von Natur und Umwelt berücksichtigt? Hier erfahren Sie mehr...”

Gutachten Froschteich

Funktionskontrolle Ersatzgewässer durch Dipl.-Geogr. M. Schwartze

Der Artenschutz besitzt seit der sogenannten kleinen Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatschG) vom 12.12.2007 im deutschen Recht eine besondere Bedeutung. Als Konsequenz müssen seitdem die Aspekte des Artenschutzes bei allen Bauleitplan- und baurechtlichen Genehmigungsverfahren berücksichtigt werden.
Nach Inkrafttreten der letzten Novelle vom 1.3.2010 hat das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) im April diesen Jahres die Verwaltungsvorschrift Artenschutz (VV-Artenschutz) erlassen. Diese trifft Regelungen im Rahmen von Planungs- und Zulassungsverfahren. Nach diesen Vorgaben ist das Artenschutzrecht in Nordrhein-Westfalen umzusetzen und bei Eingriffsverfahren zu berücksichtigen.
Im Rahmen der vorliegenden Planung zur Errichtung einer Bodendeponie wurden aufgrund der besonderen artenschutzrechtlichen Bedeutung die Amphibien erfasst, da in den überplanten Lebensräumen ein Vorkommen europäisch geschützter Arten vermutet wurde. Bei den Amphibien wurde in einem Kleinweiher, der nach der Planung zugeschüttet werden soll, der Wasserfrosch-Komplex entdeckt. Es wurde nicht näher differenziert, ob es sich um den Kleinen Wasserfrosch (Pelophylax lessonae) oder den Teichfrosch (Pelophylax esculentus) handelte.
Im Frühjahr 2010 wurde bereits ein Ersatzgewässer für den überplanten Kleinweiher angelegt. Am 21.9.2010 wurde eine Funktionskontrolle für diese Kompensationsmaßnahme durch Dipl.-Geogr. Michael Schwartze durchgeführt.

Funktionskontrolle des Kompensationsgewässers und artenschutzrechtliche Bewertung

An dem vorhandenen Kleinweiher konnten auch am 21.9. noch „Wasserfrösche“ beobachtet werden. Die Tiere saßen – wie für den Artenkomplex typisch – an den Uferbereichen und sprangen bei Annäherung des Verfassers ins Wasser. Eine Unterscheidung der beiden Arten war nicht möglich, da diese anhand der Rufe zur Paarungszeit erfolgt. Außerdem können die Arten anhand äußerer Merkmale unterschieden werden – dazu müssen sie allerdings gefangen werden. Der Standort des Kompensationsgewässers ist ca. 100 m Entfernung von dem derzeitigen Kleinweiher entfernt. Es besitzt eine vergleichbare Größe und Eigenschaften, die eine erfolgreiche Fortpflanzung von Amphibien erwarten lassen. So konnten einzelne Tiere bereits beobachtet werden. Es ist anzunehmen, dass diese sich hier bereits 2011 reproduzieren werden.

Für die Funktion des neuen Gewässers ist es von Bedeutung, dass in Zukunft keine Fische eingesetzt werden. Diese fressen den Laich oder die Kaulquappen und verhindern auf diese Weise eine erfolgreiche Fortpflanzung (vgl. BREUER 2009). Die Betreiber wurden auch darauf aufmerksam gemacht, dass die eingesetzten Wasserpflanzen (z.B. Breitblättriger Rohrkolben sowie eine weitere nicht heimische Seerosenart) die Verlandung beschleunigen und die Flora verfälschen. Zur Schaffung einer weiteren Flachuferzone wurde außerdem empfohlen, das Gewässer um mehrere Meter zu erweitern (diese Empfehlung wurde bereits umgesetzt). In 2011 ist eine Erfassung der „Wasserfrösche“ an dem vorhandenen Kleingewässer geplant. Dabei sollen die Tiere mit mehreren auch nächtlichen Durchgängen erfasst und kartiert werden, um zwischen dem Kleinen Wasserfrosch und dem Teichfrosch sicher zu unterscheiden. Dies ist auch auf Wunsch der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld erforderlich. Der Kleine Wasserfrosch gilt landesweit als gefährdet und ist aufgrund seiner Auflistung in Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützt. Diesen hohen Schutzstatus besitzt der Teichfrosch nicht, der landesweit ungefährdet ist und „nur“ in Anhang V der FFH-Richtlinie aufgeführt ist. Mit den Ergebnissen ist dann eine sachgerechte artenschutzrechtliche Prüfung möglich. Nach den Kartierungen soll nach Rücksprache mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Coesfeld ggfls. auch das Vorgehen beim Zuschütten des Kleingewässers abgestimmt werden. Zu beachten ist unter Umständen auch das Tötungsverbot nach § 44 BNatSchG.

Vorhandenes Laichgewässer

Abb. 1: Vorhandenes Laichgewässer mit einem Vorkommen des „Wasserfrosch-Komplexes“ welches durch die derzeitigen Planungen zugeschüttet werden soll.

Ersatzlaichgewässer

Abb. 2: Ersatzlaichgewässer in ca. 100 m Entfernung zu dem vorhandenen. Dieses ist bereits durch einzelne „Wasserfrösche“ besiedelt.